Sollte man einen Direct-to-Garment (DTG) Textildrucker über Nacht ausschalten oder muss das System 24/7 im Standby-Modus verbleiben? Im professionellen Textildruck ist das Verständnis der mechanischen Unterschiede zwischen vollständigem Abschalten und dem Standby-Schlafmodus entscheidend für den Schutz empfindlicher Micro-Piezo-Druckköpfe. Während das Umlegen des Hauptschalters nur vernachlässigbare Strommengen spart (weniger als 15 Watt im Ruhemodus), deaktiviert das Trennen der Stromzufuhr das automatisierte White Ink Management System (WIMS), timergesteuerte Zirkulationszyklen und programmierte Mikrosprüh-Routinen. Ohne nächtliche Selbstreinigung und feuchte Druckkopf-Verkappung (Wet Capping) sedimentieren schwere Titandioxid-Pigmente in den Leitungen, Dämpfer verstopfen und der Meniskus der Düsenplatte verkrustet. Dieser ausführliche technische Leitfaden erklärt, wie der 24/7-Standby-Modus Druckköpfe schützt, vergleicht Strom- und Tintenkosten und definiert das abendliche Abschalt-SOP für gewerbliche Druckereien.
Stromversorgungs-Strategie WIMS Weißtinte-Zirkulation Druckkopf-Lebensdauer

Kann ich einen DTG-Drucker über Nacht ausschalten oder 24/7 anlassen?

Von GNFEI Technisches Ingenieurteam • Veröffentlicht: September 2026 • Lesezeit: 11 Min.

Jeder neue Bediener eines Direct-to-Garment-Druckers steht am Ende seiner ersten Produktionsschicht vor demselben Dilemma: Sollte ich den Hauptnetzschalter ausschalten oder den Drucker rund um die Uhr im Standby-Modus laufen lassen? Bei herkömmlichen Papier-Bürodruckern oder großformatigen Solvent-Plottern ist das vollständige Ausschalten über Nacht gängige Praxis. DTG-Textildruckmaschinen unterliegen jedoch völlig anderen strömungsmechanischen und chemischen Gesetzmäßigkeiten.

Weiße Textildirektdruck-Tinten enthalten dichte mineralische Titandioxid-Partikel (TiO₂) und wasserbasierte Acryl-Latexbinder. Wird die Stromzufuhr komplett gekappt, stoppen die in moderne Produktionsmaschinen integrierten Schutzmechanismen – automatische Zirkulationskreisläufe, zyklisches Mikrosprühen und kontinuierliche Befeuchtung der Capping-Station – schlagartig. Im Folgenden erläutern wir die technischen Hintergründe der DTG-Betriebszustände, zeigen auf, was nachts in stillstehenden Leitungen geschieht, und definieren die optimale Stromversorgungs-Strategie für Ihren Textildruck-Betrieb.

Kann ich einen DTG-Drucker über Nacht ausschalten oder 24/7 anlassen
Abbildung 1: Gewerblicher DTG-Textildrucker im nächtlichen Standby-Schlafmodus, der aktive Weißtinte-Zirkulation und Feuchtigkeitsschutz an der Capping-Station aufrechterhält.

Das Urteil der Ingenieure: 24/7 Standby vs. Vollständiges Ausschalten

Verfügt Ihr DTG-Drucker über ein modernes White Ink Management System (WIMS), motorisierte Tintenrührer oder firmwaregesteuerte Selbstreinigungs-Timer (wie bei GNFEI, Epson F-Serie, Brother GTX oder Ricoh DTG-Systemen), ist das Urteil der Druckkopf-Ingenieure eindeutig:

Goldene Betriebsregel

Lassen Sie das Gerät 24/7 im Standby- / Schlafmodus eingeschaltet. Nutzen Sie den Soft-Power-Taster am Bedienfeld, um das Gerät in den Ruhezustand zu versetzen. Trennen Sie jedoch niemals die Netzstromversorgung und schalten Sie den rückseitigen Hauptschalter über Nacht nicht aus – es sei denn, das System wurde für eine Langzeitlagerung vollständig mit Konservierungsflüssigkeit gespült.

Bleibt die Hauptstromversorgung aktiv, kann der interne Mikrocontroller des Druckers nachts periodisch aufwachen, weiße Tinte durch die Zuleitungen zirkulieren lassen und mikroskopische Tröpfchen in die Capping-Station abfeuern, um den Düsenmeniskus feucht und gleitfähig zu halten.

Die drei elektrischen Betriebszustände eines DTG-Druckers verstehen

Viele Betreiber von Textildruckereien verwechseln den vorderen Ein-/Ausschalter mit dem primären Netztrennschalter. In der Realität verfügen moderne gewerbliche DTG-Systeme über drei klar voneinander getrennte Betriebsstufen:

1. Aktiver Produktionsmodus

Netzstrom aktiv, Bedienfeld beleuchtet, Drucktischheizung betriebsbereit und Schrittmotoren des Druckkopfwagens für hochpräzise Positionierung unter Spannung. Leistungsaufnahme: 60 W bis 250 W je nach Heizstufen.

2. Standby- / Schlafmodus (24/7)

Aktiviert über den Power-Taster am vorderen Bedienfeld. LCD-Display erlischt, Motoren schalten ab, aber Steuerplatinen, Niedervolt-Zirkulationspumpen und programmierte Firmware-Timer bleiben aktiv. Leistungsaufnahme: 8 W bis 20 W.

3. Vollständig ausgeschaltet (Netztrennung)

Rückseitiger Wippschalter auf Aus oder Netzstecker gezogen. Alle Stromkreise sind stromlos. WIMS stoppt, Timer-Schaltungen ruhen und es findet keinerlei automatische Wartung statt. Leistungsaufnahme: 0 W.

Der physische Vergleich: Standby-Schlafmodus vs. Vollständiges Ausschalten

Was geschieht im Inneren des Druckers, wenn im Betrieb das Licht ausgeht? Das folgende technische Schema verdeutlicht die grundlegenden physikalischen Unterschiede zwischen einem im Standby-Modus verbleibenden DTG-Drucker und einem komplett vom Stromnetz getrennten Gerät.

Technisches Diagramm: Vergleich von DTG-Drucker Standby-Schlafmodus vs Vollständiges Ausschalten über Nacht
Abbildung 2: Architekturvergleich zwischen automatisierter WIMS-Zirkulation und Mikrosprühen im Standby-Modus (links) versus Sedimentschichten und Düsenverkrustung bei vollständiger Netztrennung (rechts).

Was passiert nachts in stillstehenden Tintenleitungen bei getrennter Stromzufuhr?

Weiße Textildirektdruck-Tinte unterscheidet sich grundlegend von bunten CMYK-Tinten. Ihre strahlende Deckkraft auf dunklen Textilien verdankt sie mikronisierten Partikeln aus Titandioxid (TiO₂). Da Titandioxid eine hohe molekulare Dichte aufweist (spezifisches Gewicht von ca. 4,2 g/cm³ im Vergleich zu Wasser mit 1,0 g/cm³), wird es in der Trägerflüssigkeit ausschließlich durch elektrostatische Abstoßungskräfte und polymere Dispergiermittel in Schwebe gehalten.

Wird das Gerät komplett ausgeschaltet und verbleibt 8 bis 14 Stunden lang regungslos über Nacht, setzen drei destruktive Prozesse in schneller Folge ein:

1. Schwerkraftbedingte Sedimentation in den Dämpfer-Kammern

Bereits nach 6 Stunden völliger Ruhe ohne Mikrozirkulation sinken die schweren TiO₂-Kristalle in die unteren Kammern der Dämpfer (Damper) und die Verteilerkanäle oberhalb der Piezo-Düsen ab. Die Tinte trennt sich in eine klare, lösungsmittelreiche obere Schicht und eine zähe, kreideartige Paste am Boden ab.

2. Meniskus-Dehydrierung und Hautbildung

Obwohl der Druckkopfwagen auf der Capping-Station ruht, führen nächtliche Temperaturschwankungen im Raum zu mikroskopischen Ausdehnungen und Kontraktionen der Luft innerhalb der Gummikappe. Fehlen periodische Mikrosprühimpulse der Firmware, verdunsten flüchtige Co-Solventien. Zurück bleibt eine zähe Schicht aus Acrylpolymeren direkt über den 20-Mikrometer-Düsenöffnungen.

3. Schichtablagerungen an den Innenwänden der Tintenschläuche

Stillstehende weiße Tinte in horizontal verlaufenden Polyurethanschläuchen bildet am Schlauchboden feste Sedimentschichten. Wenn Sie den Drucker am nächsten Morgen einschalten und Unterdruck diesen Schlamm in die mikrometerfeinen Dämpfersiebe saugt, verstopfen diese augenblicklich – der Druckkopf wird mitten im ersten Druckauftrag von der Tintenzufuhr abgeschnitten.

Die drei Lebensadern im 24/7-Standby-Betrieb

Bleibt der Hauptnetzschalter eingeschaltet und wird das Gerät nur über den Bedienfeld-Taster in den Schlafmodus versetzt, wacht das System kontinuierlich über die Hardware. Die Firmware führt drei wesentliche automatisierte Routinen durch:

Lebensader 1: Timergesteuerte WIMS-Weißtinte-Zirkulation

Der interne Timer aktiviert geräuscharme peristaltische Zirkulationspumpen alle 2 bis 4 Stunden für 45 bis 90 Sekunden. Weiße Tinte wird aus dem Vorratsbehälter durch den gesamten Schlauchkreislauf an den Dämpfern vorbei zurück in den Tank gefördert. Dies hält die Pigmentsuspension homogen und verhindert Ablagerungen in den Leitungen.

Lebensader 2: Periodisches Mikrosprühen / Flash-Jetting

In festgelegten Intervallen steuert der Druckkopfwagen kurzzeitig die Piezo-Kristalle an, um winzigste Tintenmengen (Bruchteile eines Mikroliters) direkt in die Capping-Station oder den Schwamm abzugeben. Dieser kurze Impuls spült zähflüssige Tinte von der Düsenoberfläche und verhindert das Entstehen trockener Meniskuspfropfen.

Lebensader 3: Mikro-Unterdruck-Auffrischung an der Capping-Station

Registrieren integrierte Umgebungssensoren steigende Temperaturen oder abfallende Luftfeuchtigkeit im Raum, veranlassen manche Industriesysteme die peristaltische Absaugpumpe zu einer halben Umdrehung Mikro-Unterdruck. Dadurch wird frische, feuchte Tinte aus den Dämpfern an die Düsenfläche gezogen, sodass die Capping-Dichtung niemals austrocknet.

Direkter Vergleich: 24/7-Standby vs. Vollständiges Ausschalten

Hier sehen Sie die beiden Betriebsmethoden im direkten Vergleich über entscheidende betriebswirtschaftliche und mechanische Kriterien:

Kriterium / Faktor Standby-Schlafmodus (24/7) Vollständig ausgeschaltet (Netztrennung)
WIMS-Tintenzirkulation Aktiv (läuft alle 2–4 Stunden) Deaktiviert (keinerlei Zirkulation)
Schutz vor Düsenaustrocknung Automatisches Mikrosprühen + Dichtung Hängt zu 100 % von manuellem Wet Capping ab
Monatliche Stromkosten 0,80 $ – 1,50 $ pro Monat (8W–20W) 0,00 $
Morgendlicher Startaufwand 1 kurzer Düsentest (~2 Min.) Aufrühren + 2–3 Intensivreinigungen (~15 Min.)
Tintenverlust beim morgendlichen Start 0,5 ml bis 1,0 ml (~0,15 $) 10 ml bis 25 ml (2,00 $ – 4,50 $)
Lebenserwartung des Druckkopfs Maximiert (18 – 36 Monate) Reduziert (vorzeitige Verstopfungen < 9 Monate)
Risiko von Überspannungsschäden Vorhanden (über USV abgesichert) Null bei vollständiger Netztrennung

Der Mythos Stromrechnung: Was kostet 24/7-Standby wirklich?

Einige Druckereibetreiber schalten ihre Textildrucker abends vollständig aus, weil sie explodierende Stromrechnungen fürchten. Schauen wir uns die elektrotechnische Realität im Detail an:

Berechnung des Standby-Stromverbrauchs

  • Durchschnittlicher gewerblicher DTG-Standby-Verbrauch: 12 Watt
  • Ruhestunden über Nacht und an Wochenenden pro Monat: ~500 Stunden
  • Monatlicher Energieverbrauch: 12 Watt × 500 Stunden = 6.000 Wattstunden = 6 kWh
  • Durchschnittlicher gewerblicher Strompreis (USA/EU): 0,18 $ pro kWh
  • Monatliche Standby-Stromkosten: 6 kWh × 0,18 $ = 1,08 $ pro Monat

Vergleichen Sie diese 1,08 $ Stromkosten pro Monat nun mit den realen Kosten für Tinte und Hardware beim vollständigen Ausschalten:

Wird der Hauptschalter über Nacht ausgeschaltet, sedimentiert die weiße Tinte und an den Düsen bildet sich eine angetrocknete Schicht. Jeden Morgen müssen Sie nach dem Einschalten zwei bis drei Intensivreinigungen durchführen, um das Düsenbild wiederherzustellen. Drei Intensivreinigungen verbrauchen 15 bis 25 ml Textiltinte (das entspricht 2,50 $ bis 4,50 $ an verschwendeter Tinte an jedem einzelnen Arbeitstag!). Bei 22 Arbeitstagen pro Monat spülen Sie Textiltinte im Wert von über 60 $ bis 90 $ in den Resttintenbehälter – nur um 1,08 $ Strom zu sparen.

Mechanische Dichtungsarchitektur: Capping-Station und Wiper-Wartung

Unabhängig davon, ob Ihre Maschine im Standby-Modus verbleibt oder ausgeschaltet wird: Die mechanische Abdichtung zwischen der Düsenplatte des Druckkopfs und der Capping-Station ist Ihre erste Verteidigungslinie. Die folgende Abbildung zeigt die entscheidenden Wartungspunkte vor dem Feierabend:

DTG Druckkopf Capping Station und Wiper Reinigungszonen Anatomie
Abbildung 3: Zentrale Wartungszonen: Silikondichtlippe (Zone A), saugfähiges Befeuchtungskissen (Zone B) und Polyurethan-Abstreifer / Wiper-Blade (Zone C).
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Wann ist ein vollständiges Ausschalten akzeptabel (oder notwendig)?

Während der 24/7-Standby-Betrieb die empfohlene Grundlage darstellt, gibt es spezifische Szenarien, in denen das physische Abschalten des Hauptschalters vorgeschrieben oder ratsam ist:

  • Schwere Unwetter oder Instabilität des Stromnetzes: Wenn Ihr Gewerbebetrieb von Blitzschlägen, starken Spannungseinbrüchen oder Spannungsspitzen bedroht ist, verhindert das Ausschalten des Hauptschalters Überspannungsschäden an den empfindlichen Treiberplatinen der Druckköpfe.
  • Brandschutzauflagen oder Mietvertragsbestimmungen: Einige kommunale Brandschutzverordnungen oder Mietverträge in Einkaufszentren untersagen es strengstens, unbeaufsichtigte elektronische Geräte außerhalb der Betriebszeiten am Stromnetz zu belassen.
  • Geplante mehrwöchige Abwesenheit (Betriebsurlaub / Umzug): Wenn die Werkstatt länger als 7 bis 10 Tage unbesetzt bleibt, ist der Standby-Betrieb riskant, da der Resttintenbehälter überlaufen könnte. In diesem Fall muss eine vollständige chemische Spülung mit Lagerungsflüssigkeit (Storage Solution) durchgeführt und der Hauptschalter danach ausgeschaltet werden.

Empfehlung aus der Praxis: In eine smarte USV investieren

Um alle Vorzüge des 24/7-Standby-Modus zu nutzen, ohne den Drucker Stromspitzen oder Netzausfällen auszusetzen, schließen Sie Ihr DTG-System an eine echte unterbrechungsfreie Online-Sinus-Stromversorgung (USV / UPS mit 1000 VA bis 1500 VA) an. Die USV filtert Netzschwankungen, absorbiert Überspannungen und stellt bei einem nächtlichen Stromausfall für 3 bis 5 Stunden Batteriebetrieb bereit.

Das verbindliche abendliche Abschaltprotokoll (10-Minuten-SOP)

Ganz gleich, ob Ihr DTG-Drucker im 24/7-Standby verbleibt oder mit manuellem Wet Capping ausgeschaltet wird: Führen Sie diese standardisierte Checkliste vor Verlassen der Werkstatt durch:

1

Abstreiferlippe (Wiper) und Druckkopfwagen-Rand reinigen

Befeuchten Sie einen Schaumstofftupfer mit DTG-Reinigungslösung. Wischen Sie beide Seiten der Silikon-Abstreiferlippe vorsichtig ab und entfernen Sie Tintennebel an den äußeren Metallkanten des Druckkopfwagens. Berühren Sie niemals direkt die Düsenplatte.

2

Silikondichtlippe der Capping-Station säubern

Überprüfen Sie den Gummirand der Capping-Station. Beseitigen Sie angetrocknete Tintenkrusten, Textilflusen oder Fasern. Eine luftdichte Versiegelung ist unmöglich, wenn Schmutzpartikel auf der Dichtlippe haften.

3

Wet Capping durchführen (Befeuchtung)

Geben Sie 0,5 ml bis 1,0 ml (2 bis 3 Tropfen) spezieller Capping-Befeuchtungslösung direkt auf das Capping-Schwämmchen. Dies erzeugt eine Mikrokammer mit 100 % relativer Luftfeuchtigkeit direkt unter der Düsenplatte.

4

Soft-Power-Abschaltung zum Andocken des Wagens

Drücken Sie den Power-Taster am vorderen Bedienfeld. Warten Sie, bis die Firmware den Wagen in die Parkposition fährt, mechanisch arretiert und die Capping-Station fest an die Düsenplatte anpresst. Lassen Sie den rückseitigen Hauptschalter auf EIN.

5

Raumklima-Parameter kontrollieren

Stellen Sie sicher, dass Ihre Werkstattklimatisierung oder der Ultraschall-Luftbefeuchter den Raum zwischen 20 °C und 26 °C sowie bei 45 % bis 65 % relativer Luftfeuchtigkeit hält. Schalten Sie die Klimatisierung in trockenen Winter- oder heißen Sommermonaten niemals ab.

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Häufig gestellte Fragen: DTG Stromversorgung über Nacht & Wartung

Q1. Kann ich meinen DTG-Drucker jede Nacht am Hauptschalter ausschalten?▼

Obwohl Sie den Netzschalter technisch ausschalten können, raten professionelle Textilveredler bei modernen DTG-Druckern mit automatischer Zirkulation dringend davon ab. Das harte Ausschalten trennt das White Ink Management System (WIMS) sowie automatisierte Mikrosprüh-Routinen vom Strom. Dadurch setzen sich schwere Titandioxid-Pigmente über Nacht in den Zuleitungen und Druckkopfdämpfern ab.

Q2. Was ist der Unterschied zwischen "Vollständigem Ausschalten" und "Standby-Schlafmodus"?▼

Beim vollständigen Ausschalten (Hard Power-Off) wird über den rückseitigen Wippschalter oder das Netzkabel die gesamte Stromzufuhr zu Hauptplatine, Pumpen und Motoren unterbrochen. Im Standby-Schlafmodus bleibt die Steuerplatine mit Strom versorgt, während Display und Heizelemente ruhen. So können Firmware-Timer peristaltische Zirkulationspumpen ansteuern, Weißtinte-Tanks rühren und alle 2 bis 4 Stunden winzige Mikrosprühstöße in die Capping-Station ausführen.

Q3. Wie viel Strom verbraucht ein DTG-Drucker, wenn er 24/7 im Standby-Modus bleibt?▼

Moderne Desktop- und Industrie-DTG-Drucker verbrauchen im Standby-Ruhezustand lediglich zwischen 5 und 25 Watt. Bei durchschnittlichen gewerblichen Strompreisen (0,15 $ bis 0,20 $ pro kWh) verursacht der 24/7-Standby-Betrieb monatliche Kosten von ca. 0,60 $ bis 1,50 $ – ein verschwindend geringer Bruchteil im Vergleich zu den Kosten eines Druckkopftauschs (800 $ bis 1.800 $), der durch Pigmentstagnation fällig würde.

Q4. Funktioniert das WIMS (White Ink Management System), wenn der Drucker ausgeschaltet ist?▼

Nein. WIMS-Zirkulationspumpen, motorisierte Tintenrührer und Druckausgleichsventile sind vollständig auf elektrischen Strom angewiesen. Wenn Sie das Netzkabel ziehen oder den Hauptschalter umlegen, stoppt jede Zirkulation sofort. In der Folge beginnen sich die schweren Titandioxidpartikel bereits innerhalb von 8 bis 12 Stunden an den Innenwänden der Tintenschläuche abzusetzen.

Q5. Was passiert bei einem plötzlichen Stromausfall in der Nacht, wenn der Drucker im Standby war?▼

Wenn der Strom ausfällt, während der Druckkopfwagen bereits sicher auf der Capping-Station verriegelt ist, bleiben die Düsen vor schneller Austrocknung geschützt. Allerdings können unbemerkte Spannungseinbrüche oder Spannungsspitzen bei der Netzwiederkehr empfindliche Steuerplatinen beschädigen. Professionelle Druckereien schließen ihre DTG-Anlagen daher stets an eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV / UPS) mit Überspannungsschutz an.

Q6. Kann ich den Drucker ausschalten, wenn ich jeden Abend ein manuelles Wet Capping durchführe?▼

Ja. Wenn Brandschutzauflagen oder Mietverträge in Ihrem Gewerbegebäude eine vollständige Netztrennung vorschreiben, können Sie den Drucker abschalten – vorausgesetzt, Sie führen ein sorgfältiges manuelles Wet Capping durch. Das Aufbringen von ca. 1,0 ml feuchtigkeitserhaltender Reinigungslösung auf das Capping-Kissen erzeugt eine luftdichte Feuchtigkeitskammer (100 % Luftfeuchtigkeit), die die Düsenplatte auch ohne Strom vor dem Austrocknen schützt.

Q7. Warum empfehlen Hersteller wie Epson, Brother und Ricoh, DTG-Drucker 24/7 eingeschaltet zu lassen?▼

Die Hersteller konzipieren gewerbliche Textildruckwerke für kontinuierliche, aktive Mikrowartungs-Algorithmen. Im Standby führt die Maschine autonome Zyklen aus: periodisches Aufrühren der weißen Tinte, minimales Abfeuern der Düsen zur Erneuerung des Meniskus und sanfte Unterdruck-Spülungen. Dadurch ist der Drucker morgens sofort einsatzbereit, ohne dass materialintensive Hochdruck-Reinigungen nötig sind.

Q8. Verschleißt der 24/7-Standby-Betrieb den Druckkopf oder mechanische Bauteile?▼

Nein. Im Standby-Modus sind Schrittmotoren, Antriebsriemen und Vakuumtische völlig stromlos und unbeweglich. Die einzigen aktiven Komponenten sind die Niedervolt-Steuerplatine und eine intervallweise laufende Mikrozirkulationspumpe für 30 bis 60 Sekunden alle paar Stunden. Diese minimale Belastung erzeugt praktisch keinen mechanischen Verschleiß, verlängert aber die Lebensdauer des Druckkopfs erheblich.

Q9. Was muss ich tun, wenn der Betrieb über das Wochenende geschlossen ist (Freitagnachmittag bis Montagmorgen)?▼

Für Wochenendpausen (48 bis 72 Stunden) lassen Sie den DTG-Drucker im Standby-Schlafmodus eingeschaltet. Reinigen Sie am Freitagnachmittag die Abstreiferlippe (Wiper) und den Capping-Dichtungsrand gründlich, geben Sie frische Befeuchtungslösung auf den Capping-Schwamm, leeren Sie den Resttintenbehälter und stellen Sie sicher, dass die Raumklimatisierung 40 % bis 60 % relative Luftfeuchtigkeit gewährleistet.

Q10. Wie lautet der korrekte Ablauf für die abendliche Abschaltung, wenn der Hauptschalter ausgeschaltet werden muss?▼

Wenn der Hauptstrom abgeschaltet werden muss, schalten Sie das Gerät zuerst über den vorderen Soft-Power-Taster ab, damit der Druckkopfwagen ordnungsgemäß in die Parkposition fährt. Reinigen Sie anschließend die Dichtungslippe der Capping-Station und den Silikon-Wiper mit Schaumstofftupfern. Träufeln Sie 3 bis 4 Tropfen Befeuchtungslösung auf das Capping-Kissen. Prüfen Sie manuell, ob der Wagen fest arretiert ist. Erst danach schalten Sie den Hauptschalter an der Rückseite aus.